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06.09.2010      
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Entstehung der Theatergemeinde PDF Drucken E-Mail

Die Gründung der Theatergemeinde Augsburg war bedingt durch die Theatersituation der Nachkriegsjahre und dem jugendlichen Tatendrang einiger Kriegsheimkehrer.

Neues Leben aus Ruinen

In der Augsburger Bombennacht des 24. Februar 1944 wurde das erst 1938 bis 1939 umgebaute und renovierte Stadttheater bis auf die Außenmauern vollständig zerstört. Ende 1944 wurden auf Anordnung von Goebbels sämtliche deutsche Theater geschlossen, die Künstler, Musiker und Bühnenarbeiter zu den Waffen oder in Rüstungsbetriebe eingezogen.
Aus diesem materiellen und geistigen Ruinenfeld entstand nach dem Krieg durch die Eigeninitiative von zwei Theaterfreunden ein neues Theaterleben. Max Hahn beschreibt in seinem Büchlein „Von Musen und Menschen in Augsburg“ die 1945 entstandene Situation:

„Theo Paul Münch, Schauspieler und Spielleiter der Städtischen Bühnen, versammelte die Reste des ehemaligen Ensembles um sich. Neue, nach Augsburg verschlagene Kollegen kamen dazu. Nur die Besessenheit von echten Komödianten konnte es wagen, buchstäblich aus dem Nichts heraus zur Gründung eines Theaters in eigener Regie zu schreiten. Zuerst wurde in der Theaterruine probiert. Dann fand man – ein Glücksfall ohnegleichen – den unzerstörten Theatersaal des „Blauen Krügle“. Jetzt kehrten auf eine ganz wundersame Weise die Zeiten der so oft belächelten „Schmiere“ zurück. Faust hat genagelt, Mephisto geleimt, das Gretchen genäht und Marthe Schwerdlein schwang Besen und Putzeimer. Nahezu alles musste selbst gemacht werden. Und es wurde gemacht. Daneben wurde – oft bis Mitternacht und länger – schon beinahe zur Erholung probiert. Sogar die Plakate wurden, wie zu „Emanuel Strieses seligen Zeiten“, selbst angefertigt und geklebt.

Am 10. Oktober eröffnete die „Komödie“ ihre Pforten. Es war das erste Privattheater, das in Bayern wieder zu spielen begann.“
Im Kurhaustheater in Göggingen trafen sich Operettenleute. Sie schufen unter den gleichen Strapazen wie die
Schauspieler das Augsburger Operntheater der Nachkriegszeit.

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Lizenz der Amerikaner
für Guido Nora zum
Aufführen musikalischer
Veranstaltungen.

Für die Oper erhielt Guido Nora von der amerikanischen Besatzungsmacht die Lizenz und Professor Arthur Pichler die Genehmigung zur Gründung eines Orchesters. Am 15. Dezember 1945 konnte mit Nicolais „Lustigen Weibern“ im Ludwigsbau begonnen werden. „Die lustigen Weiber“ kamen zu den Ehren der Eröffnungsaufführung, weil das Notenmaterial dieses Stücks in der Theaterruine unversehrt gefunden wurde.

Wie das Schauspiel so liefen auch die Oper und die Operette in eigener Regie der Künstler und trugen sich aus den Einnahmen. Die Augsburger waren begeistert und füllten die Vorstellungen mit Theaterkarten, die mit reichlich vorhandenen Reichsmark gekauft wurden.

Dies änderte sich über Nacht mit der Währungsreform. Die neue DM war knapp und konnte nun auch für Lebensmittel und Gebrauchsgüter verwendet werden. Die Schwäbische Landeszeitung schreibt am 5. Oktober 1949:

„Die Einschreibungen für die Platzmieten sind mit weniger als 600 allerdings erheblich hinter den Erwartungen und dem Vorkriegsstand zurückgeblieben. Das ist eine erneute Bestätigung für die Tatsache, dass das wohlhabende Bürgertum mit geistiger Tradition entweder nicht mehr vorhanden ist oder jene Tradition vergessen hat.“

Zur Theatergemeinde

Sie hatte zwei Vorläufer. Nach dem Krieg sammelten sich die Kriegsheimkehrer, die während des Nationalsozialismus in den verbotenen katholischen Jugendverbänden ihr Gruppenleben mit geistigen Widerstand weiterführten, in der „Katholischen Jungen Mannschaft“. In der neu gewonnenen Freiheit wollten die jungen Männer und die dazugehörigen Frauen als „Keimzelle in Kirche und Volk“ den Aufbau der neuen Gesellschaft und des Staates mitgestalten. Für die verschiedensten Bereiche gab es Arbeitskreise. U.a. auch einen für „kulturelle Aufgaben“. Dieser Kreis, dem auch Alfons Link und Karl Fürst angehörten, versuchte auf den Gebieten Literatur, Musik, Tanz und Theater der Kriegsheimkehrergeneration einen Zugang zu schaffen. – Auch mit Guido Nora wurde Kontakt aufgenommen, um die in der Reichsmarkzeit heiß begehrten Theaterkarten als monatlichen Block für die Gemeinschaft der KJM zu erhalten. Daraus entwickelte sich ein geschlossener Theaterring mit 700 Mitgliedern unter der Vorstandschaft von Karl Fürst, Eduard Peter und Paul Schwenk.

Als dann nach der Währungsunion der drastische Besucherschwund beim Theater einbrach, machte Guido Nora auf die 1919 gegründete und 1934 von den Nationalsozialisten zwangsweise aufgelöste Besucherorganisation „Bühnenvolksbund“, von dem die Jungen bisher nichts wussten, aufmerksam. Es ist interessant, dass diese Theater-Besucherorganisation ebenfalls in einer Nachkriegssituation im Zusammenwirken von Menschen aus beiden christlichen Konfessionen zur „Förderung der dramatischen und musikalischen Bühnenkunst und der dramatischen Dichtung im Sinne deutschen Volkstums und christlicher Lebensauffassung“ entstand. Bei Nachforschungen wurden die Sekretärin, Klothilde Wilfer, und das Vorstandsmitglied, Stadtrat Josef Maria Miller des ehemaligen Bühnenvolksbundes der Sektion Augsburg gefunden. Es folgten Besprechungen mit den Vorständen Jakob Baumann und Rudolf Reißner der inzwischen florierenden, auch aus dem Kreis der Katholischen Jungen Mannschaft gegründeten Theatergemeinde München. Nach weiteren Bemühungen konnten für die Gründung einer Theatergemeinde eine Reihe von Persönlichkeiten aus dem Augsburger Kulturleben wie Prof. Muesmann, Arthur Pichler, Direktor des Konservatoriums, der vorsitzende der Mozartgesellschaft, Dr. Ernst Fritz Schmid, Doris Lieb, Stadtrat Vasters, Frau Rektorin Scheidecker, Prof. Leo Fischer, Maria Hall, Direktor Anton Böhm von der Kreissparkasse, Monsignore Dr. Ulrich Müller, Kirchenmusikdirektor Karl Wünsch u.a., sowie Vertreter der verschiedenen katholischen und evangelischen Vereine und Gruppen gewonnen werden. Auch Max Hohenester, Journalist und in den zwanziger Jahren Theaterkritiker der „Augsburger Zeitung“, war von Anfang an dabei.

Bei der offiziellen Gründungsversammlung der Theatergemeinde als eingetragener, gemeinnütziger Verein am 8. September 1949 im Sitzungssaal der Stadtmetzg wurde die vorbereitete Satzung bestätigt und der Vorstand gewählt: Max Hohenester zum Vorsitzenden, Karl Fürst als Stellvertreter und als Beisitzer Klothilde Wilfer, Willi Vasters, Karl Wunsch. Als Pate des Unternehmens stellte Prälat Dr. Hörmann eine Spende von 100 DM zur Verfügung, mit denen die Druckkosten der ersten Werbezettel bezahlt werden konnten. Zu den Förderern gehörte auch Oberbürgermeister Dr. Klaus Müller. Er wurde später das erste Mitglied des Ehrenpräsidiums.

Für alle an der Gründung Beteiligten war die Theatergemeinde eine Aufgabe christlich sozialer Verantwortung, für die jeder sich begeistert einsetzte. Voll Neugierde wurde dann die Reaktion der Bevölkerung auf die im Kolpingsaal gestartete Werbung erwartet. Zur Überraschung aller kamen 3.700 Anmeldezettel zurück. Ein Riesenerfolg im Vergleich zu dem bereits erwähnten Rückgang der Platzmiete.
Organisatorisch war man auf die hohe Teilnehmerzahl in keiner Weise vorbereitet. Es galt nun, aus dem Stand ein Büro und eine Arbeitskraft zu finden und ein Verteilersystem für die Zustellung der monatlichen Theaterkarten aufzubauen.

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Die erste Geschäftsstelle der Theatergemeinde in der Kriegsruine in der Frauentorstr.

 

Hedwig Geiß und Karl Fürst waren die ersten hauptamtlichen Mitarbeiter. Sie begannen in einem Zimmer der notdürftig reparierten Kriegsruine Frauentorstraße 5, bis sich ein Büro in der Peutingerstraße 10, idyllisch am Fronhof gelegen, fand. 1961 erfolgte der Umzug in die Stadtmitte in das neue Bürohaus Karolinenstr. 21 (und im September 2007 der Umzug an den Rathausplatz, Philippine-Welser-Str. 14).

Durch ein ausgeklügeltes Gruppensystem konnte trotz des verpflichtenden Abonnements viele individuellen Wünschen der Teilnehmer entsprochen werden. Es gab Gruppen für feste und wechselnde Wochentage, für Oper, Schauspiel und Operette; nur für Oper und Schauspiel; oder vorwiegend für moderne Schauspiele; für Konzerte; Jugendgruppen und später auch Sonntag-Nachmittagsgruppen.

Die Preise waren, der sozialen Aufgabe entsprechend, darauf ausgerichtet, dass sich jeder Augsburger einen Theaterbesuch leisten konnte. Im Ludwigsbau kosteten die Preisgruppen IV bis I ,-50; -,90; 1,50; 1,90 DM; Die Teilnehmerzahlen waren Jahr für Jahr steigend. In der Spielzeit 1957/58 wurde mit dem Überschreiten der Traummarke von 10.000 Teilnehmern ein einmaliger Höhepunkt erreicht.

Theatergemeinde in der Öffentlichkeit

Die Theatergemeinde wurde von Anfang an in der Öffentlichkeit beachtet und durch ihre Aktivitäten als kulturelle Institution anerkannt.

Dazu einige Bemerkungen: Nachdem die inzwischen von der Stadt als „Städtische Bühnen“ übernommenen Privattheater nach der Währungsreform zu einem Zuschussbetrieb wurden, fanden im Stadtrat immer wieder Anträge und lebhafte Debatten über die Zurückgabe des Theaters in Privathände statt. Mit knapper Mehrheit wurde ein Antrag auf Verpachtung des Ludwigsbaus und des Theaterfundus zum 31.1.1950 verhindert. In der Sitzung des Kultursenats am 28.12.1949 stimmten die Fraktionen der CSU und KPD für die Aufrechterhaltung des Theaters in städtischer Regie. Stadtrat Philipp Häring, Verwaltungsdirektor des Caritasverbandes, erklärte damals, dass er diesem Beschluß, trotz der noch immer bestehenden Wohnungsnot und vieler noch nicht beseitigter Kriegsnarben, nur zustimmen könne, nachdem die neugegründeten Besucherorganisationen „Theatergemeinde“ und „Theaterring der Werktätigen“ (später „Volksbühne“) durch ihre erfolgreiche Werbung und ihre niedrigen Preise das Theater allen Bevölkerungsschichten zugänglich gemacht haben. Die endgültige Fortführung der Städtischen Bühnen wurde dann Anfang Januar 1950 im Stadtratsplenum mit großer Mehrheit beschlossen. (nach Berichten der „Schwäbischen Landeszeitung“)

Als sich der Stadtrat zum Wiederaufbau der Stadttheaterruine durchgerungen hatte, war auch die Theatergemeinde mit ihren inzwischen 5.700 Teilnehmern dabei, die erste Spendenaktion zu unterstützen und den Verein der „Freundes des Stadttheaters“ zur Durchführung von Theatertombolen mitzugründen.

Einen schmerzvollen Einschnitt in die lebhafte Entwicklung der Theatergemeinde verursachte der Bayerische Rechnungsprüfungshof im Jahre 1977. Durch die Forderung der Streichung vieler Vergünstigungen hoffte er, dem Theater einen Dienst zu erweisen. Trotz langer, ernsthafter Verhandlungen mit dem Kulturreferat und der Theaterleitung wurden wir durch einen neuen Vertrag beschnitten. Ein Großteil unserer Teilnehmer – es waren genau 1.432 – reagierte auf die Beschränkung mit dem Austritt aus der Theatergemeinde. Das Theater verlor sie als regelmäßige Theaterbesucher.

Immer wieder wurde der Bestand des Theaters durch drastische Sparmaßnahmen der Stadträte erschüttert. So auch im Herbst 1981. Der Stadtrat glaubte seinen Haushalt unter anderem nur durch die vorübergehende Schließung der „Komödie“ stabilisieren zu können. Damit wäre aber in Kürze das gesamte Schauspielensemble zur Disposition gestanden. Der Vorstand der Theatergemeinde verfasste einen sachlich fundierten Protestbrief an den Oberbürgermeister und sandte Abdrucke an alle Stadträte (29.1.1982).

Alle Schauspielfreunde ahnten Schlimmes und taten ihren Unmut in einer von der „Augsburger Allgemeinen“ am 5. Februar 1982 groß angelegten Umfrage kund. Die Theatergemeinde rief ihre Teilnehmer durch ein selbst hergestelltes Flugblatt mit der Schlagzeile „Das Augsburger Schauspiel ist in Gefahr“ zur Teilnahme an der Abstimmung der AZ auf.

Fr. Dr. Thea Lethmair schreibt über diese Aktion: „Es erhebt sich ein so flammender Proteststurm, dass kein Stadtrat mehr wagt, diesem öffentlichen Votum zu widerstehen. Die Komödie ist gerettet.“ – Wir sind heute noch stolz, zu dieser Rettung beigetragen zu haben.

Als sich der damalige Kulturreferent Dr. Kotter bemühte, den theaterlosen August 1981 für die Augsburger und die in der Stadt weilenden Gäste durch eine mit ABM-Maßnahmen geförderte Aufführung von Goldonis heiterem Schauspiel „Die übermütigen Frauen“ im Kleinen Goldenen Saal zu beleben, war die Theatergemeinde auch mit dabei. Sie unterstützte die vierzehn Vorstellungen durch einen Sonderaufruf ihrer Teilnehmer. Das Sommertheater wurde zu einem vollen Erfolg.

Bund der Theatergemeinden

Die Augsburger Theatergemeinde war nicht nur innerhalb der Stadtgrenze von Augsburg tätig. Sehr bald entwickelte Karl Fürst die Idee zu Sammlung der nach dem Krieg in verschiedenen Städten entstandenen Theatergemeinden. Die ersten Briefe für den Zusammenschluß gingen von der Theatergemeinde Augsburg aus und luden zu einem Treffen am 17./18. Februar 1951 nach Frankfurt ein. Es waren elf Theatergemeinden von Augsburg bis Düsseldorf vertreten. Der um Ausgleich bemühten Verhandlungsführung unseres damaligen Vorsitzenden Max Hohenester war es zu verdanken, dass die unterschiedlichen Standpunkte auf einen gemeinsamen Nenner gebracht wurden. Sie führten schließlich im November 1951 zur Gründung des „Bundes der Theatergemeinden“. Max Hohenester wurde zum ersten Bundesvorsitzenden gewählt und die Bundesgeschäftsstelle der Theatergemeinde Augsburg angegliedert. Karl Fürst wurde zum ersten Bundesgeschäftsführer bestellt, Alfons Link erhielt die Aufgabe eines dramaturgischen Mitarbeiters. In einer Notiz des Informationsblattes von 1953 heißt es „... inzwischen haben wir insgesamt 559 Zeitungsnotizen und 78 Eigenbesprechungen von A. Link gesammelt, die bereits über 269 Theaterstücke Auskunft geben.“ Als Alfons Link seine praktische ärztliche Ausbildung in München begann, übernahm Dr. Max Högel seine Augabe. Max Hohenester, ein Journalist mit Leib und Seele, griff als Vorsitzender schon sehr bald die Gründung einer eigenen „Theaterzeitung auf Bundesebene“ auf. Augsburg plante und verhandelte mit dem Chefredakteur der Zeitung „Michael“ in Düsseldorf, Georg Thurmair, und mit Prof. Krings, München. In Westdeutschland arbeitete Dr. Heinz Stephan, Vorsitzender der Theatergemeinde Köln, im Verlag der „Kölner Rundschau“ ein Zeitungsprojekt aus. – 1954 wurde die Bundesgeschäftsstelle nach Bonn verlegt, um „näher an den Fleischtöpfen“ zu sitzen, wie es damals hieß. Die Theaterzeitung wurde gleichzeitig in Bonn gegründet.

1955 fand die vierte Bundesversammlung in Augsburg mit einem Festakt im Kleinen Goldenen Saal statt. – Dreißig Jahre später, 1985, tage der Bund wieder in Augsburg mit den Theatergesprächen „Das Wort im Theater“. Professor Frühwald hielt den Eröffnungsvortrag über „Die Kultur des Wortes und der Literatur in Augsburg“.

Die Theatergemeinde und ihre kulturellen Aufgaben

Trotz aller Unternehmungen in der Stadt und auf Bundesebene war und ist der Theatergemeinde die Betreuung ihrer Teilnehmer oberstes Gebot. Die Teilnehmer sollten nicht nur Theaterkonsumenten werden, sondern kritische und im Urteil in Theaterfragen selbständige Theaterbesucher. Diesem hohen Ziel dienten vom ersten Gruppenaufruf an Stückeinführungen, die Alfons Link in den ersten Jahren für das monatliche Mitteilungsblatt schrieb.

Der Kunstbereit, dem Alfons Link seit der Gründung angehörte, begann 1950 mit Diskussionen über Stücke und Insezenierungen der jeweils laufenden Spielzeit. 1973 griff der damalige Vorsitzende Anton Kranzfelder die Diskussionsabende der Theatergemeinde erneut auf, nun unter dem Titel „Gesprächsrunden: Publikum und Theater“. Sie sind bis heute zu einer festen Einrichtung geworden. Wenn auch die verschiedenen Meinungen nicht immer zu einmütigem Konsens gebracht werden konnten, so waren es jedes Mal höchst interessante Abende. Unter der souveränen Leitung von Dr. Georg Gruno konnten die Theaterleute, Dramaturgen, Regisseure und Schauspieler ihre Ideen und Beweggründe den anwesenden Besuchern darlegen und andererseits erfuhren diese die Meinungen dazu aus dem Publikum.

Darüber hinaus bietet die Theatergemeinde mit ihren Theaterfahrten zu den Staatstheatern und Kammerspielen in München, nach Bayreuth, Verona, Heidenheim, Bregenz, Ulm Stuttgart, Dresden, Berlin, Wien u.a. ihren Teilnehmern Gelegenheit, außergewöhnliche Aufführungen oder Sängerbesetzungen zu erleben. Die Theaterfahrten waren nie Selbstzweck, sondern sollten die Augsburger Theatererlebnisse ergänzen und erweitern.

Für die Konzertfreunde boten wir Konzertfahrten zu den ersten „Schwäbischen Sommerkonzerten“ in Irsee, Kaufbeuren und im Fuggerschloß Kirchheim, sowie zu den Konzerten in der Basilika in Ottobeuren. Die Kartenvermittlung für diese Konzerte ist auch heute noch eine Serviceleistung der Theatergemeinde.

Marionettentheater

Mit der Augsburger Puppenkiste wurde bereits mit der ersten Sondervorstellung an Weihnachten 1949 eine gute Zusammenarbeit gefunden. Auch hier war Alfons Link der sachkundige Vermittler. Seit 1954 bieten wir unsren Teilnehmern jährlich eine Vorstellung in der „Augsburger Puppenkiste“ im Jahresprogramm.

Jugend und Theatergemeinde

Die Gewinnung und Heranführung der Jugend zum Theater war seit der Gründung der Theatergemeinde für alle Vorstände eine wichtige Sache. Bereits 1949 wurde mit Unterstützung der Direktorate der höheren Schulen und sonstiger Jugendgruppen ein Jugendring aufgebaut, der in die Abendvorstellungen der Theatergemeinde integriert wurde.

Durch den guten Kontakt zur Universität Augsburg über unser Vorstandsmitglied Dr. Klaus Vogelgsang bieten wir dort ein eigenes Semesterabo mit Begeleitveranstaltungen an.

Eigenveranstaltungen

Das in der Satzung festgelegte Vereinsziel will in allen Schichten der Bevölkerung primär das Verständnis für Kulturtheater, aber auch für alle anderen Kunstbereiche wecken. Diesem Auftrag dienen insbesondere die Eigenveranstaltungen.

Seit 1951 wurden Autorenlesungen durchgeführt. In der Reihe „Augsburger literarische Abende“ wurden oft noch unbekannte junge Autoren, die dann später mit den höchsten literarischen Preisen ausgezeichnet wurden, aber auch Autoren, die schon Rang und Namen hatten, vorgestellt. Professor Frühwald schrieb in einer Würdigung aus Anlaß unseres dreißigjährigen Jubiläums: „Die Reihe der Autoren, die seit 1951 auf Einladung der Theatergemeinde Augsburg zu Gast waren, legt einen Querschnitt durch die gesamte deutsche Gegenwartsliteratur; wer an diesen Lesungen teilgenommen hat, kann von sich sagen, er habe Literatur erlebt.“

Auch der Konzertbereich wurde in den letzten Jahren intensiv gepflegt. Dank der langjährigen Unterstützung durch die Kreissparkasse können die Philharmonischen Matineen der Theatergemeinde im Kleinen Goldenen Saal bereits ihr 25jähriges Jubiläum feiern. Mit dem von der Theatergemeinde veranstalteten jährlichen Festival der Open-Air Konzerte im Fronhof wurde 1999 eine feste Größe im Augsburger Kultursommer geschaffen. Beide Veranstaltungsreihen stehen seit ihrer Gründung unter der künstlerischen Leitung von Wilhelm F. Walz, der es mit großem Engagement versteht, das Publikum für die Konzerte zu begeistern.

Besonders erwähnt und bedacht müssen die Gründungsmitglieder und alle die vielen Mitglieder, die im Vorstand und Kunstbeirat der Theatergemeinde ehrenamtlich tätig waren und sind. Sie haben das geistige Arbeitsprogramm der Theatergemeinde entwickelt und auf den Weg gebracht.

Es gäbe noch viel im Detail zu berichten und zu erzählen. Diese Rückschau konnte nur in kurzen Umrissen den Anfang und Aufbau nachzeichnen, sowie die vielfältigen Bemühungen andeuten, die unternommen wurden, um dem Gesamt-Titel „Theatergemeinde – Verein zur Förderung von Theater, Musik, Literatur und bildende Kunst“ gerecht zu werden.

 


 

Artikel von Dr. Hanspeter Plocher, Vorsitzender des Kunstbeirats, zum 50 jährigen Jubiläum der Theatergemeinde

AUSSER UNS UND DOCH DABEI
Das Theater zwischen Gestern und Morgen

Die Frage ist nicht neu, die Antwort ist nicht leicht: Was will, was soll, was darf Theater? „Die Integration der Grausamkeit ins Stadttheater wird zur Hausaufgabe der kommenden Saison. Blut, Schmutz und Sperma sind wieder todschick“. Mit solchen Horror-Ausblicken auf die neue Spielzeit füllte die renommierte FAZ das Sommerloch und verdarb all jenen gründlich den Appetit, die mit Theater etwas so Altmodisches wie Freude oder Vorfreude verbinden. Die Stücke heißen „Gestank“ (van Marius Mayenburg, in Hamburg und Berlin), „Tötet die Alten, foltert die Jungen“ (von David Harrower, in Köln) oder „Einmal satt, einmal tot, einmal gesellig“ (von Robert Woelfl, in Konstanz); hier dürfen die Protagonisten ihre Köpfe stundenlang in einen Hundekadaver stecken. Die Herren Castorf und Schlingensief, liebvertraute Stückezertrümmerer der neunziger Jahre, wirken neben den Schockästheten des Jahrtausendbeginns so furchterregend wie das Krokodil im Kasperltheater. Wie der Teufel das Weihwasser fürchten die jungen Wilden die Nähe zur primitiven Spaß-Kultur der Glotze und provozieren den einen Ekel mit dem anderen.

Also zurück zu Altvertrautem, Bewährtem, Bekanntem? Theater als kulturbeflissener Bildungsvollzug, als feierabendliches Erholungsprogramm, als etwas „Schönes“ mit schönen Bildern, schönen Kostümen, schöner Musik? Irrtum sagen die anderen. Die Welt ist nicht schön, und Aufgabe des Theaters ist es nie gewesen, die Menschen darüber hinwegzutäuschen und zu belügen. Aber ist Theater nicht auch Illusion, Freiraum für Phantasien, Träume und Wünsche, die wir uns im wirklichen Leben nie erfüllen können?

Drei Dinge sind es, die das Theater bei allem Meinungsstreit zwischen den puren Zerstörern und den puren Genießern auch im neuen Jahrtausend unverzichtbar machen. Zum einen ist Theater ein Stück lebendiger, leiblicher Kultur, das sich jeden Abend aufs Neue ereignet, gemacht von Menschen für Menschen, nie und nimmer ersetzbar durch Film, Fernsehen und hochaufgelöste Digitaltechniken, mögen sie uns in Zukunft noch so vehement überschwemmen. Im Theater sind wir dabei, und manchmal wäre es auch wünschenswert, wir würden die Chance dieses Dabeiseins mehr nützen und dem Geschehen auf der Bühne nicht so stumm und teilnahmslos folgen wie Zierfische im Aquarium. Im alten Frankreich zum Beispiel war es durchaus üblich, sein Gefallen oder Missfallen an theatralischen Darbietungen so impulsiv zum Ausdruck zu bringen, dass deswegen die Vorstellung unterbrochen werden musste.

Zweitens: Theater ist eine geistige Herausforderung. Es lehrt uns, zu denken und aus den Gedanken Schlüsse zu ziehen, die unser alltägliches Leben betreffen, unsere Zukunft, aber auch unsere Vergangenheit. Theater hilft uns, das Leben besser zu verstehen, und wenn deswegen Geschichten erzählt werden müssen, die mit Mord und Totschlag, Blut und Sperma zu tun haben, dann ist dies nicht die Schuld des Theaters. Schlag’ nach bei Shakespeare, oder – warum nicht – in Augsburg auch bei Brecht!

Und schließlich berührt das Theater unsere Seele. Es berührt sie mit solcher Macht, dass wir darüber den Verstand verlieren können, dass uns das Herz bis zum Halse klopft, dass wir berauscht, verzückt, verzweifelt auch noch am nächsten Morgen, am nächsten Tag außer uns sind. Ein – zugegeben – seltenes Ereignis, diese Ekstase, wie die alten Griechen dazu sagten, mit denen alles anfing.

„Ich glaube an die Unsterblichkeit des Theaters“, schrieb der große Max Reinhardt vor fast einem Jahrhundert, „es ist der seligste Schlupfwinkel für diejenigen, die ihre Kindheit heimlich in die Tasche gesteckt und sich damit auf und davon gemacht haben, um bis an ihr Lebensende weiterzuspielen.“

 


 

Letzte Aktualisierung ( 12.12.2009 )
 
 
 
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