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Dvorák - Plus IV
Philharmonische Matinee der Theatergemeinde am
Sonntag, 29.04.2007 um 11:00 Uhr im Kleinen Goldenen Saal (Jesuitengasse 12)
mit dem Augsburger Streichquartett und Luc Aeschlimann (Cello) als Gast
Programm:
Antonin Dvorák (1841 – 1904)
Streichquartett F-Dur op. 96 („Das Amerikanische“)
– Allegro, ma non tanto
– Lento
– Molto vivace
– Finale: vivace ma non troppo
— P A U S E —
Franz Schubert (1797 – 1828)
Quintett für 2 Violinen, Viola und 2 Violoncelli C-Dur (D956)
– Allegro ma non troppo
– Adagio
– Scherzo. Presto - Trio. Andante sostenuto
– Allegretto
Antonín Dvorák: Streichquartett F-Dur op. 96 „Das Amerikanische“
Für Antonín Dvorák ist die Kammermusik neben der Oper und der Sinfonik die dritte Säule seines Schaffens. Insgesamt schuf er, der selbst Bratscher war, über 40 Kammermusikwerke in fast allen Besetzungen mit Ausnahme von Duo-Literatur. Die Streichinstrumente dominieren dabei. Sein eigentliches Komponieren, das er selbst als werkwürdig ansah, beginnt bezeichnenderweise mit zwei Kammermusikwerken, dem Streichquintett op.1 in a-Moll und dem Streichquartett op. 2 in A-Dur, derjenigen Gattung, die mit insgesamt 14 Kompositionen den Spitzenplatz in Dvoráks Kammermusik beansprucht.
Das sogenannte „amerikanische“ Streichquartett op. 96 verdankt seinen Beinamen zunächst der schlichten Tatsache, dass Dvorák es im Jahre 1893 in den USA komponierte. Dvorák war 1892 einem Ruf nach New York gefolgt, wo er bis 1895 am National Conservatory of Music als künstlerischer Direktor und Kompositionsprofessor arbeitete. In ländlicher Abgeschiedenheit im kleine Ort Spillville (Iowa) entstand sein F-Dur-Quartett, op. 96. Schon die Tonart F-Dur verweist auf den pastoralen Charakter des Werkes. Dvorák ließ sich nach 8 Monaten Großstadttrubel von der ländlichen Atmosphäre Iowas gefangen nehmen. Jeder der Sätze beginnt mit einer Art atmosphärischen Klangeinstimmung. Dvorák selbst verweist auf eine von ihm bewusst gewollte kunstvoll angelegte Kunstlosigkeit, bzw. Einfachheit dieses Werkes, und dies, obwohl doch gerade das Streichquartett traditionell eine Gattung der besonderen Dichte und Kunstfertigkeit des Tonsatzes ist. „Als ich dieses Quartett im Jahre 1893 1200 Meilen entfernt von New York schrieb, wollte ich einmal etwas ganz Melodisches und Einfaches niederschreiben.“
Schon die Kürze des Werkes fällt aus dem Rahmen dieses für Dvorák singulären Werkes. Der Bezug zur Volksmusik mit Anklängen an das amerikanische Spiritual wie auch an Indianisches gelingt Dvorák dadurch, dass er mit sogenannten 5-Ton-Skalen komponiert. Sowohl seine Melodik, aber auch die Harmonik des ganzen Werkes gründet darin, dass er oft sogar nur vier Töne, f, a, c, und d benutzt, hier und da nur erweitert. Dieser Tonvorrat und das Aussparen eines Leittones forderte höchste kompositorische Ökonomie und garantiert aber zugleich eine ursprüngliche naturhafte Klangwelt. Auf der anderen Seite benutzt Dvorák charakteristische, für amerikanische Volksmusik typische synkopische Rhythmen, die die Akzente zwischen die Taktschwerpunkte setzen. Der langsame zweite Satz wirkt wie eine große lyrische Gesangsszene, bei der Violine und Cello als Protagonisten auftreten. Die dialogische Gleichwertigkeit der vier Streicher wird hier, für ein Streichquartett untypisch, komplett aufgehoben. Im dritten Satz verwendet Dvorák zu Beginn im Unisono von Bratsche und Cello den Vogelruf der amerikanischen Prachtmeise und lässt eine Art Vogelkonzert mit drei Tönen entstehen. Der Schlusssatz ist bestimmt von wiederkehrender unterlegter Grundrhythmik und wartet auf mit überraschenden choralartigen Einschüben.
Franz Schubert: Quintett für 2 Violinen, Viola und 2 Violoncelli C-Dur (D956)
Die Kammermusik spielt neben dem alles überragenden Lied und der Sinfonik in Franz Schuberts Schaffen eine bedeutende Rolle. Gerade seine späten Kammermusikwerke tragen sehr persönliche Züge und haben einen ganz eigenen ausgesprochen ernsten Charakter. Im September 1828 (Schuberts Todesjahr) entstanden, ist es das letzte Kammermusikwerk des Komponisten. In seinem Ernst und seinen Kühnheiten ist es eines der herausragenden Kammermusikwerke der Musikliteratur überhaupt. In Schuberts Äußerung „Meine Erzeugnisse sind durch den Verstand für Musik und durch meinen Schmerz vorhanden, jene, welche der Schmerz allein erzeugt hat, scheinen am wenigsten die Welt zu erfreuen“, fokussiert sich eine Art Leitmotiv der späten Jahre, wenn die Musik auch nicht nur von Schmerz erfüllt ist, so tritt doch eine Art Radikalisierung der musikalischen Mittel bei Schubert ein.
In der Nachfolge Beethovens hat Schubert hier den Rahmen geselliger Hausmusik weit hinter sich gelassen. Typische Spätwerkmerkmale bestimmen auch dieses C-Dur Quintett: ein charakteristischer Dur-Moll-Wechsel, der unvermittelt einbricht; langsame Einleitungen mit Verdunklungen des ersten Akkordes sowie unheimlich wirkende Tremoli, die bis dahin nur in der Oper Verwendung fanden. Außerdem ist eine ganz bestimmte Melodik charakteristisch, die scheinbar ziellos wirkt, nicht zu einem Ende strebt und in sich selbst zu kreisen scheint. Rhythmische unruhige Überlagerungen treten hinzu, wie beispielsweise in der Durchführung des ersten Satzes. Die Besetzung des Quintetts mit zwei Violoncelli statt zweier Bratschen ist eine Besonderheit der Quintett-Besetzung. Schubert scheint Wert darauf gelegt zu haben, dass das eine Cello, befreit von seiner Bassfunktion, in quasi tenoraler Lage als singend-melodisch führendes Instrument in das Geschehen eingreifen darf und soll.
Von zentralem Gewicht ist der langsame Satz des Quintetts, das Adagio. Es ist eine Art „Idyll“, das durch den jähen Ausbruch des Mittelteils als bedrohtes Idyll enttarnt wird. Einer der bestürzendsten und rätselhaftesten Sätze in Schubert Musik überhaupt. Das „Idyll“ ist dabei charakterisiert durch stets, meist ins Leere aufende Melodieansätze der erste Geige. Der Gesamtklang ist fahl, flautandoartig. Die tiefen Streicher tupfen hier ihre Pizzicati hinein, die Mittelstimmen lassen zugleich ein permanentes Klangband strömen, das teilweise melodische Aufgaben übernimmt und die erste Geige somit ergänzen. Der Grundgedanke dieses Satzes, der sich auf das ganze Werk auswirkt, benennt Peter Gülke sehr treffend: „Schuberts Musik bezahlt die lyrischen Paradiese teuer – das macht sie glaubwürdig und schützt ihn gegen den Verdacht, mit ihnen, so zauberhaft wie anfechtbar, Missbrauch zu treiben. Dem Maß der Erfüllungen entspricht dasjenige ihrer Bedrohungen.
Tim Koeritz
Das Augsburger Streichquartett
Gegründet 1987 nach einem Konzert bei den Hechinger Musiktagen, wo den vier Musikern bereits "phänomenales Verständnis" und "Kammermusik in Reinkultur" bestätigt wurde, hat sich das Augsburger Streichquartett inzwischen längst im internationalen Konzertbetrieb etabliert. Viele erfolgreiche Gastspiele führten die Musiker wiederholt durch Europa.
Besondere Höhepunkte waren dabei unter anderem Tourneen durch Rumänien, ge-tragen vom Ost-West-Kulturwerk und vom Bundesministerium des Inneren, Konzertreisen durch die Schweiz und regelmäßige Auftritte in Italien und Österreich.
Dort spielt das Augsburger Streichquartett alljährlich bei den Sonntagsmatineen im Salzburger Schloß Mirabell, u. a. mit dem Pianisten Georg Steinschaden und in Wien mit dem Pianisten und Dirigenten Robert Lehrbaumer, sowie Martyn van den Hoeck aus den Niederlanden. Mit diesem Pianisten wurde 1999 eine CD mit Mozarts Klavierquintetten KV 413-415 bei "Limetree-Records" aufgenommen.
Große musikalische Erfolge konnte das Augsburger Streichquartett auch in sei-ner süddeutschen Heimat feiern. So sind die vier Künstler regelmäßig zu Gast im Kleinen Goldenen Saal in Augsburg, im Traidkasten in Dießen, in Kloster Irsee, im Rathaussaal Friedberg, in Lauingen, Dinkelscherben, Nördlingen, Ulm, Heidelberg und im Zedernsaal von Schloß Kirchheim.
Das Repertoire des Augsburger Streichquartetts reicht von Haydn bis Heller, also von der Klassik bis zur Gegenwart und wird immer auch durch Uraufführun-gen zeitgenössischer Musik und Wiederentdeckungen unbekannter klassischer und romantischer Meisterwerke erweitert, wie z.B. das erst vor kurzem von Dr. Franz Metz herausgegebene Streichquartett des Schubert-Zeitgenossen Franz Limmer. Dieses Opus wurde vom Augsburger Streichquartett im Rahmen der Musikaka-demie Hammelburg mit großem Erfolg der Öffentlichkeit vorgestellt. So stehen nicht nur Kompositionen von Mozart, Haydn, Beethoven, Schumann, Schubert, Mendelssohn, Brahms, Dvorák, Humperdinck und Chausson auf dem Programm, sondern auch zeitgenössische Werke von Brugger, Müller-Örtling, Erhard Scheck und Richard Heller, dessen 2. Streichquartett von den Augsburger Musikern beim Bayerischen Rundfunk produziert wurde.
Ludwig Hornung (Violine I) studierte nach seinem Abitur in Dillingen an der Hochschule für Musik in München bei Prof. Kurt-Christian Stier und nach sei-nem Staatsexamen, in der Fortbildungsklasse bei Prof. Gerhart Hetzel (ehem. Ers-ter Konzertmeister der Wiener Philharmoniker), Viola und Kammermusik bei Prof. Franz Beyer. Nach zweijähriger Tätigkeit beim Philharmonischen Orchester der Stadt Freiburg setzte Ludwig Hornung seine Studien bei Prof. Wolfgang Marsch-ner fort und kam 1982 als Vorspieler der ersten Violinen zum Philharmonischen Orchester der Stadt Augsburg, wo er seit 1987 die Stelle des 2. Konzertmeisters ausübt. Seine umfangreiche Konzerttätigkeit als Solist (u.a. des Ostschweizer Kammerorchesters und als Primarius des Augsburger Streichquartetts) führte ihn durch weite Teile Europas.
Harald Christian (Violine II) absolvierte in Temesvar/Rumänien das musi-sche Gymnasium als er 1978 in die Bundesrepublik übersiedelte. Harald Christian studierte an der Musikhochschule in München bei Prof. Gerhart Hetzel, später bei Susanne Lautenbacher in Stuttgart. Nach dem Studium war er Konzertmeister in Aix-en-Provence. Seit 1985 ist er freischaffender Musiker und hat neben der Lehrtätigkeit für Violine an der Musikschule "Albert Greiner" in Augsburg Engagements in Orchestern und Kammermusikensembles in der Bundesrepublik Deutschland und im europäischen Ausland. Seit 1996 ist Harald Christian Dozent der "Ostermusizierwoche" in Löwenstein, Baden-Würemberg.
Ludwig Schmalhofer (Viola) studierte an der Hochschule für Musik in München zunächst Violine bei Prof. Heinz Endres, dann Viola bei Oscar Lysy und Prof. Hariolf Schlichtig, sowie Kammermusik bei Prof. Franz Beyer. Anschließend nahm er an Meisterkursen von Prof. Ulrich Koch Hirofumi Fukai, Christoph Poppen sowie dem Österreichischem Streichquartett teil. 1985 wurde er Preisträger des 1. Bubenreuther Streichquartettwettbewerbs. 1990 kam Ludwig Schmalhofer als Bratschist ins Philharmonische Orchester Augsburg. Zudem ist er Mitglied im Kammerorchester Schloss Werneck und Dirigent des Kammerorchesters Bobingen e.V. Seit 1995 ist er auch Dozent für Viola an der Musikhochschule Nürnberg-Augsburg. Im Jahre 2004 wurde ihm der Kunstpreis des Landkreises Augsburg verliehen.
Hartmut Tröndle (Violoncello) studierte bei Walter Reichardt an der Musikhochschule in München und nach dem Examen bei Paul Szabo (Vegh-Quartett) an der Musikhochschule Köln. Anschließend Meisterkurs bei André Navarra. Seither rege Konzerttätigkeit als Kammermusiker und Solist u. a. auch im europäischen Ausland. Rundfunkaufnahmen beim Westdeutschen und Bayerischen Rundfunk. 1978 Kunstförderpreis der Stadt Augsburg. Seit 1977 Cellodozent am Leopold-Mozart-Konservatorium, der heutigen Hochschule für Musik Nürnberg-Augsburg.
Gast-Cellist: Luc Aeschlimann:
In der Schweiz geboren, begann Luc Aeschlimann seine musikalischen Studien in Montpellier (F) bei Yves Potrel und Roger Tarroux. Nach dem Diplom für Violoncello und Kammermusik, wofür er einen Premier Prix erhielt, setzte er seine Studien in Genf (Pierre Fournier) und Paris (Reine Flachot) fort. Anschließend studierte er weiter an der Musikakademie Basel bei Boris Pergamentschikow und Reinhard Latzko und schloss mit der Konzertreife ab. Daneben studierte er weiterhin Kammermusik beim Pianisten Jean Hubeau, bei Walter Levin und Hatto Beyerle. Neben seiner Tätigkeit als Lehrer am Conservatoire de Musique in Neuchatel spielte er als Solist und Kammermusiker im "Festival de La Rochelle", für Radio France in Montpellier und mit verschiedenen Orchestern wie "Orchestre de la Loire", Basler Symphonie-Orchester u.a. 1983 war er Preisträger am "Concours National des Jeunes Musiciens" und 1991 gewann er den ersten Preis am Wettbewerb von Koblenz.
Luc Aeschlimann ist Solocellist im Orchestre de Chambre de Neuchatel und hat als Kammermusiker in zahlreichen Radio- und CD- Aufnahmen mitgewirkt.
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